Die Aromatherapie ist ein klassischer Teil der Naturheilkunde. Sie verwendet ätherische Öle aus Aromapflanzen zur Behandlung von Befindlichkeitsstörungen und Erkrankungen sowie zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden.

Ätherische Öle sind natürliche, hochkonzentrierte Substanzen, die von Pflanzen selbst gebildet werden. Sie bestehen aus organischen Stoffen wie Alkoholen, Estern, oder Terpenen und haben eine ölige Konsistenz. Schon seit der Antike verwenden Menschen diese Öle zu Heilzwecken.

Der Begriff "Aromatherapie" wurde allerdings erst im 20. Jahrhundert geprägt. René-Maurice Gattefossé, ein französischer Chemiker und Parfümeur, entdeckte 1910 zufällig die heilenden Eigenschaften von Lavendelöl nach einem Laborunfall. Bei einer Explosion, bei der er sich seine Hände und seine Kopfhaut verbrannte, versorgte er seine Verbrennungen mit Lavendelöl, worauf sie erstaunlich rasch und völlig ohne Narbenbildung abheilten. Viele Jahre war die Aromatherapie „nur“ ein Zweig der Phytotherapie und sie wurde von der etablierten Medizin allenfalls belächelt.

Mittlerweile hat sie das Interesse der Forschung geweckt, die auch klären konnte, warum ätherische Öle einen unmittelbaren Effekt auf unsere Stimmung haben. Besonders das Lavendelöl ist besonders gut erforscht (siehe auch News von Dr. Strunz vom 8.4.2023). Die Moleküle dieses Öls können die Erregung an den Glutamat-(NMDA-)-Rezeptoren im Gehirn vermindern und so eine beruhigende Wirkung entfalten. Lavendel führt im Gegensatz zu synthetischen Beruhigungsmitteln (z.B. wie Valium ®) zu keinerlei Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit oder Unkonzentriertheit, wirkt aber zuverlässig bei Angst- und Panikstörungen.

Eine Studie zeigte, dass die Anwendung von Lavendelöl während Zahnbehandlungen eine angstlösende und pulsreduzierende Wirkung hat.

In Südostasien verwendet man gerne Cremes aus Lavendelöl vor dem Schlafengehen für einen optimierten Schlaf. Sie können alternativ abends auch das Kopfkissen mit ein wenig Lavendel-Öl zu besprühen, denn das Öl wirkt über die Nase bzw. die Riechzellen. Sie werden den Unterschied für Ihre Schlafqualität sicherlich deutlich spüren.

Das Team um den Duftforscher Professor Dr. Dr. Dr. Hanns Hatt von der Universität Bochum konnte klären, dass das Carveol, ein Inhaltsstoff in Jasmin- und Hopfenöl, auf GABA-Rezeptoren der Nervenzellen wirkt und daher gerade bei einem GABA-Mangel sehr hilfreich sein kann. Dieser geht mit Schlafstörungen, Angst- und Unruhe einher.

Während der Recherche zu unserem Buch „Natürlich High“ habe ich mit Professor Hatt persönlich sprechen können. Es ist erstaunlich, was er und sein Team mittlerweile alles erforscht haben. Zum Beispiel die olfaktorischen Rezeptoren außerhalb der Riechzellen. Lange Zeit dachte man, dass diese Rezeptoren nur auf den Zilien der Riechzellen vorhanden seien. Mittlerweile ist geklärt, dass fast alle (!) Körperzellen diese Rezeptoren besitzen und damit auf Gerüche reagieren. Selbst Tumorzellen reagieren auf Duftstoffe und können ihr Wachstum reduzieren. So konnte die Forschungsgruppe nachweisen, dass z. B. Darmkrebszellen auf Maiglöckchen-Duft reagieren. Umgekehrt geben Tumorzellen selbst Gerüche ab.

Die bislang so unterschätzte Aromatherapie wird in Zukunft mit Sicherheit einen ganz anderen Stellenwert erhalten. Wer mehr dazu wissen möchte, dem empfehle ich dieses Büchlein:

Hanns Hatt, Regine Dee: Die Lust am Duft: Wie Gerüche uns verführen und heilen. Springer Verlag Heidelberg 2023


Quellen:

Ren YL, Chu WW, Yang XW, Xin L, Gao JX, Yan GZ, Wang C, Chen YN, Xie JF, Spruyt K, Lin JS, Hou YP, Shao YF. Lavender improves sleep through olfactory perception and GABAergic neurons of the central amygdala. J Ethnopharmacol. 2025 Jan 30;337(Pt 3):118942. doi: 10.1016/j.jep.2024.118942. Epub 2024 Oct 18. PMID: 39426576.

Weidinger D, Jacobsen J, Alisch D, Uebner H, Heinen N, Greune L, Westhoven S, Jamal Jameel K, Kronsbein J, Pfaender S, Taube C, Reuter S, Peters M, Hatt H, Knobloch J. Olfactory receptors impact pathophysiological processes of lung diseases in bronchial epithelial cells. Eur J Cell Biol. 2024 Jun;103(2):151408. doi: 10.1016/j.ejcb.2024.151408. Epub 2024 Mar 30. PMID: 38583306.


Über die Autorin:


"Kyra Kauffmann, Jahrgang 1971, Mutter zweier kleiner Söhne, Volkswirtin, seit 20 Jahren niedergelassene Heilpraktikerin, Buchautorin, Dozentin, Journalistin und seit 3 Jahren begeisterte Medizinstudentin.

Zur Medizin kam ich durch meine eigene schwere Erkrankung mit Anfang 30, bei der mir seinerzeit kein Arzt wirklich helfen konnte. („Ihre Werte sind alle super – es ist alles rein psychisch!“). Hilfe bekam ich von Heilpraktikern, die zunächst einmal eine wirklich gründliche Labordiagnostik durchgeführt haben, ganz nach dem Vorbild von Dr. Ulrich Strunz. Es war eine neue Welt, die sich mir eröffnete und die Erkenntnisse, haben mich sofort fasziniert (ohnehin bin ich ein Zahlen-Daten-Fakten-Fan und habe nicht umsonst das Studium der VWL gewählt). Die Begeisterung war so groß, dass ich meinen alten Beruf an den Nagel hängte und Heilpraktikerin wurde. Meine Praxis führe ich seit 20 Jahren mit großer Begeisterung und bin – natürlich - auf Labordiagnostik spezialisiert und kann so oft vielen Symptomen auf den Grund gehen. In 2 Jahren hoffentlich dann auch als Ärztin.