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Mit Schmerzmitteln trainieren?
Die Deutschen nehmen mehr Schmerzmittel (Analgetika) ein, als sie Alkohol trinken. Allerdings eint sich die Abhängigkeitsrate beider Substanzen bei rund 3 % (4). Der Schmerzmittelkonsum im Leistung- und insbesondere im semi-professionellen-Sport schlägt diese Zahlen jedoch um Längen. Es wird davon ausgegangen, dass allein im Profifußball 17 bis 50 % der Spieler von nicht verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln exzessiv Gebrauch machen. Das ist erschreckend und beweist, wie verbreitet die Auffassung ist, dass Schmerzmittel wie Paracetamol, Ibuprofen oder Diclofenac bedenkenlos einnehmbar wären.
Die Studienlage spricht in dieser Sache klare Töne. Ein Sportler sollte die Hände von Schmerzmitteln lassen! Sie erhöhen nicht nur die Herzstillstandrate um 31 % bzw. 50 %, sie mindern auch die Testosteronproduktion und hemmen anabole Stoffwechselwege, die essenziell für die Proteinbiosynthese und die Sehnenheilung nach Verletzungen sind. (1,2) Die Liste kann ewig weiter geführt werden, angefangen beim Nierenversagen und endend bei einem gestörten Insulin- und Fettstoffwechsel.
Im Sport finden die nicht-verschreibungspflichtigen Schmerzmedikamente Einsatz, um akute Schmerzen als limitierenden Faktor im Training auszuschalten. Die schnelle Schmerzlinderung ist ein willkommenes Werkzeug, um möglichst schnell wieder am Training teilzunehmen und Verletzungen oder Überlastungen zu überspielen. Das darf nicht zur Routine werden. Der Körper ist im Leistungssport auch ohne Verletzungen ständig überfordert, was sich in chronisch erhöhten Entzündungsparametern äußert. Dieser Zustand führt lang- und mittelfristig zu degenerativen Prozessen im gesamten Körper. Neben einer generell antientzündlichen Ernährung- und Lebensweise, wird mittlerweile bei chronischen Entzündungsgeschehen auch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln diskutiert. Es gibt zum Beispiel ein Enzym aus der Ananas, das Bromelain, welches im Spitzensport aufgrund der vergleichbaren Wirkung mit gängigen Schmerzmitteln bereits etabliert ist. (2)
Es gibt auch wirkungsstarke sekundäre Pflanzenstoffe, die das gleiche Enzym wie die gängigen Schmerzmittel adressieren, was einigen Produkten zu einem ähnlichen Wirkungsprofil verhilft. Die Spitzenreiter darunter sind die Rote Beete sowie die Montmorency-Sauerkirsche in Kapsel- oder Saft Form. Sogar Extrakte aus Curcuma, Weihrauch, Seekiefer-Rinde oder der Passionsfrucht erreichten, wie die Einnahme von Kollagenhydrolysat oder L-Carnitin, klinisch relevante Wirkungen auf die kurzfristige Schmerzwahrnehmung. (3)
Auch bei diesem Thema spielt natürlich der „strunzsche Makronährstoff“ eine entscheidende Rolle: Proteine wirken entzündungshemmend. 40 g Eiweiß, unmittelbar nach dem Training eingenommen, wirkt sich positiv auf das Entzündungsgeschehen und damit der Einbaurate der Aminosäuren in die geschädigte Muskulatur aus (2). Da der Körper Eiweiß nicht wie Kohlenhydrate oder Fette speichern kann, ist eine regelmäßige Zufuhr von entscheidender Bedeutung. Dabei gilt: umso früher, umso besser.
Das spielt nicht nur bei Sportlern eine Rolle, sondern sollte gängige Praxis bei jedem sein. Insbesondere altersmorbide Menschen sind davon betroffen. Sie haben zahlreiche Schmerzempfindungen, die oft mit Schmerzmitteln beseitigt werden. Dass dadurch auch die Muskulatur abgebaut wird und keine Chance besteht, diese wieder zu stabilisieren, muss in der Therapieentscheidungen eine Rolle spielen, genauso wie die Empfehlung zur ausreichenden Proteinzufuhr für wichtige Erhaltungsarbeiten des Körpers.
Denn auch nicht verschreibungspflichtige Schmerzmittel sind Medikamente, keine Essensbeilage!
(1) Sondergaard KB, Weeke P, Wissenberg M, Schjerning Olsen AM, Fosbol EL, Lippert FK, Torp-Pedersen C, Gislason GH, Folke F. Non-steroidal anti-inflammatory drug use is associated with increased risk of out-of-hospital cardiac arrest: a nationwide case-time-control study. Eur Heart J Cardiovasc Pharmacother. 2017 Apr 1;3(2):100-107. doi: 10.1093/ehjcvp/pvw041. PMID: 28025218.
(2) 10.02.2025, 18:15 Uhr: https://sportaerztezeitung.com/rubriken/ernaehrung/2708/alternative-zu-nsar-schmerzmittel/
(3) Liu X, Machado GC, Eyles JP, Ravi V, Hunter DJ. Dietary supplements for treating osteoarthritis: a systematic review and meta-analysis. Br J Sports Med. 2018 Feb;52(3):167-175. doi: 10.1136/bjsports-2016-097333. Epub 2017 Oct 10. PMID: 29018060.
(4) Leyk D, Rüther T, Hartmann N, Vits E, Staudt M, Hoffmann MA. Schmerzmittelkonsum im Sport – Ergebnisse einer systematischen Literaturrecherche. Dtsch Arztebl Int. 2023; 120: 155-61. doi: 10.3238/arztebl.m2023.0003.
Über den Autor:
“Justus Mörstedt widmete sich bis zu seinem 14. Lebensjahr in seiner Freizeit dem Triathlon, bevor er sich endgültig auf sein Lieblingselement, das Wasser, fokussierte und Finswimmer wurde. Seit 2019 ist er Sportsoldat und studiert und trainiert im Leistungszentrum Leipzig.
Doch lassen wir ihn selbst zu Wort kommen: „Hier lebe ich meinen Traum: Leistungssport und Medizinstudium. Mich fasziniert es, das neu Erlernte im Sportleralltag in die Praxis umzusetzen und somit den oft trockenen Inhalten ein wenig Leben einzuhauchen.“
Diese Kombination macht sich bezahlt: im Juli 2024 wurde er zweifach Weltmeister. Über 200m Streckentauchen hält er den Europarekord. Falls Sie neugierig geworden sind, was Finswimming ist, sehen Sie sich in den News um, oder werfen eine beliebige Suchmaschine an!
Forever young wurde ihm mit seinem Einstieg in den Profisport sozusagen „in die Wiege gelegt“. Sein Trainer sagte immer: „Wer hier mitmachen will, muss mindestens ein Strunz-Buch gelesen haben.“ Zu Wettkämpfen verteilte er den Sportlern immer Vitamineral 32. Mit den Jahren in Leipzig hat sich in seinem 23 Jahre jungem Kopf so einiges zusammengesammelt, was er gerne mit Sportlerkollegen unter anderem hier in den News teilt. Dabei unterstützen wir als forever young ihn als Sponsor."