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Melatonin – Der Schlüssel zur mitochondrialen Gesundheit
Seit mehr als 20 Jahren ist die Optimierung der Mitochondrienfunktion ein wichtiger Fokus vieler Therapeuten der funktionellen Medizin. Vernünftigerweise.
Denn die Mitochondrien, oft als "Kraftwerke der Zelle" bezeichnet, sind für über 95 % der zellulären Energieproduktion verantwortlich. An der effektiven Bereitstellung von ATP (Adenosintriphosphat) hängt das Leben der Zelle im Einzelnen und des Körpers (ein Zellverbund von ca. 30 Billionen Zellen) insgesamt.
Daher ergibt es Sinn, sich therapeutisch um diese Zellorganellen intensiv zu kümmern. Nicht nur bei Patienten mit subjektivem Energiedefizit, sprich Burn-out, chronischer Erschöpfung (CFS) und allgemeinem Leistungsabfall.
Denn die Bedeutung der Mitochondrien geht weit über die ATP-Synthese hinaus.
Mitochondrien regulieren die gesamte Zellteilung und viele Zellleistungen, z. B.:
- Calcium-Speicherung
- Regulation der Apoptose (natürlicher Zelltod)
- Steroidhormonsynthese (DHEA, Cortisol, Östrogen, Testosteron)
- Produktion zellulärer Antioxidantien
- Synthese von Coenzym Q (Ubichinon)
Für diese Aufgaben benötigen Mitochondrien Melatonin, das sie sogar selbst herstellen können. Im gesunden Fall zumindest und bei entsprechender Bereitstellung der Substrate.
Ohne eine ausreichende mitochondriale Melatoninproduktion nimmt die Zelle Schaden, denn Melatonin ist eine der wichtigsten Substanzen für den Mitochondrienschutz.
Ich führe einmal auf, was bislang über die Funktion von Melatonin in den Mitochondrien bekannt ist:
- Stimuliert Schutz-Enzyme, wie Superoxiddismutase, Glutathionperoxidase, Katalase und Glutathionreduktase
- Schützt die mitochondriale DNA vor oxidativen Schäden
- Stabilisiert das mitochondriale Membranpotential
- Fördert die Regeneration von Coenzym Q
- Reduziert die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies (ROS)
Bei chronischen Erkrankungen, einschließlich Burnout Syndrom, ist die Untersuchung der mitochondrialen Funktion unverzichtbar. Laborparameter können Aufschluss über die ATP-Synthese im Normalzustand und unter Belastung sowie mögliche mitochondriale Membranschäden, wie ein Protonenleck, geben.
Oft messe ich bei der Eingangsuntersuchung bei Patienten erschreckend schlechte mitochondriale Werte, obwohl die Patienten bereits schon lange hoch dosierte Nahrungsergänzungsmittel wie B-Vitamine, Coenzym Q10, Selen, Kupfer, Mangan, Aminosäuren, NMN, Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren einnehmen.
In solchen Fällen kann die Messung des Melatoninspiegels wichtige Hinweise geben.
„Ich schlafe gut, das müssen wir nicht messen!“ – höre ich zunächst sehr oft. Tatsächlich messe ich bei über 90% meiner Patienten über 40 Jahren einen schweren Melatoninmangel, auch bei subjektiv „gutem“ Schlaf.
Aus meiner Sicht ist die Optimierung des Melatoninspiegels ein wichtiger Schlüssel, um die Effizienz der Mitochondrien zu steigern und somit die zelluläre Energieproduktion spürbar und messbar zu verbessern.
Zur Erinnerung (siehe auch News vom 25.11.23):
Die Zirbeldrüse und auch die Mitochondrien bauen Melatonin aus Serotonin auf. Ein Serotoninmangel führt daher immer (!) zu einem Mangel an Melatonin. Serotonin baut der Körper aus der essenziellen Aminosäure L-Tryptophan plus Vitamin B6, Folat, Magnesium und Vitamin D.
Aus Serotonin wird in einem weiteren Schritt Melatonin, aber nur wenn ausreichend S-Adenosylmethionin (SAMe) vorhanden ist.
SAMe ist im Grunde genommen nichts anderes als die Aminosäure L-Methionin (ebenfalls essenziell, regelmäßig im Mangel), aktiviert durch Mangan, Vitamin B12 und Magnesium.
L-Methionin und L-Tryptophan sind essenziell und müssen täglich zugeführt werden. Daher ist die entsprechende hoch dosierte Gabe dieser Aminosäuren eine der ersten Schritte zur Wiederherstellung des Melatoningleichgewichts. In einigen Fällen ist auch die direkte Gabe von Melatonin sinnvoll, bis der Körper die Synthese wieder alleine bewerkstelligen kann.
Eine ausreichende Melatoninversorgung ist entscheidend für die zelluläre Energieproduktion, Leistungsfähigkeit und allgemeine Fitness. Nicht nur für einen guten Schlaf.
Quellen:
www.melatoninfacts.org
Reiter RJ, Sharma R, Rosales-Corral S, de Campos Zuccari DAP, de Almeida Chuffa LG. Melatonin: A mitochondrial resident with a diverse skill set. Life Sci. 2022 Jul 15;301:120612. doi: 10.1016/j.lfs.2022.120612. Epub 2022 May 4. PMID: 35523285.
Über die Autorin:
"Kyra Kauffmann, Jahrgang 1971, Mutter zweier kleiner Söhne, Volkswirtin, seit 20 Jahren niedergelassene Heilpraktikerin, Buchautorin, Dozentin, Journalistin und seit 3 Jahren begeisterte Medizinstudentin.
Zur Medizin kam ich durch meine eigene schwere Erkrankung mit Anfang 30, bei der mir seinerzeit kein Arzt wirklich helfen konnte. („Ihre Werte sind alle super – es ist alles rein psychisch!“). Hilfe bekam ich von Heilpraktikern, die zunächst einmal eine wirklich gründliche Labordiagnostik durchgeführt haben, ganz nach dem Vorbild von Dr. Ulrich Strunz. Es war eine neue Welt, die sich mir eröffnete und die Erkenntnisse, haben mich sofort fasziniert (ohnehin bin ich ein Zahlen-Daten-Fakten-Fan und habe nicht umsonst das Studium der VWL gewählt). Die Begeisterung war so groß, dass ich meinen alten Beruf an den Nagel hängte und Heilpraktikerin wurde. Meine Praxis führe ich seit 20 Jahren mit großer Begeisterung und bin – natürlich - auf Labordiagnostik spezialisiert und kann so oft vielen Symptomen auf den Grund gehen. In 2 Jahren hoffentlich dann auch als Ärztin.