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Frei im Kopf
Die Straßenbahn quietscht und rattert auf ihrem Weg um die Kurve, während die Motoren der Autos vibrieren und Dampf aus dem Auspuff gedrängt wird. In der Ferne hupt es mehrfach und ein eisiger Wind schneidet sich schrill am Ampelmast. Die Menge darunter schweigt, jeder existiert in seiner eigenen Welt. Die Hände im Mantel und den Kopf in die Schultern geduckt steht man da und hofft, dass es endlich grün wird. Hoffentlich berührt man niemanden auf dem Weg zur anderen Straßenseite! Es ist kalt, stinkt nach Abgas und Abfluss und der Lärm der Stadt ist wie das Geräusch einer lästigen Mücke, die in der Nacht am Ohr herumflattert.
Ich neige deshalb oft dazu, bei Wegstrecken Kopfhörer anzulegen und mich hinter Musik oder einem Podcast vor diesen Eindrücken zu verstecken. Gerade in der Stadt ist es ein natürliches Bedürfnis, den Lärm und die Menschen somit auszublenden. Hat man sich dann durchgeschlagen, wartet am Ende des Tages das vertraute Heim.
In der Geborgenheit geht es aber schnell rückwärts in der Emotionsspirale. Man fühlt sich einsam. Der „moderne Mensch“ ist an die Reizüberflutung durch externe Einflüsse gewöhnt. Nimmt die Anzahl der zu verarbeitenden Informationen schlagartig ab, suchen wir uns neue Quellen: Der Fernseher wird beim Kochen eingeschaltet, die Lieblingsserie zum Wäsche aufhängen, das Radio beim Familienabendbrot, das Handy wird auf Toilette gezückt oder noch besser, während des Gespräches mit dem Partner.
Ist es nicht widersprüchlich? Wir verdrängen unangenehme Reize des urbanen Alltags mit anderen Stimuli und hören nicht damit auf, sobald die unangenehmen Reize überwunden sind. Unser Gehirn braucht nach der Hyperstimulation eigentlich Luft zum Atmen. Stattdessen überreizen wir unsere kognitive Kapazität, um auch in wohliger Umgebung den Alltagssorgen zu entfliehen.
Nicht nur Ihrem Gehirn, nein auch Ihrem Körper drücken Sie damit die Kehle zu. Die Effekte lassen sich sogar laborchemisch mit erhöhten Entzündungsparametern quantifizieren. Das heimtückische daran ist, dass Sie die Quittung der Reizabhängigkeit oft erst Monate oder Jahre später in Form von körperlichen Ausfallerscheinungen zu spüren bekommen und ein kausaler Zusammenhang zwischen Überstimulation und Krankheitsbild dann schwer herzustellen ist. Es lohnt sich aus diesem rasant drehenden Gebilde einige Male am Tag bewusst auszusteigen und sich von einem freien Kopf leiten zu lassen.
Liegen Sie am Abend im Bett und das Gedankenkarussel beginnt sich zu drehen, weil das der erste ruhige Augenblick des Tages ist? Beginnen Sie in kleinen Schritten bei einer Tasse Tee mit Blick in die Wolken, einem Spaziergang ohne Störfaktoren oder einem Lauf durch die Natur und machen weiter beim gemeinsamen Kochen, wo der Weg ein Teil des Zieles ist.
Klar, wir tun uns alle schwer mit Reglementierungen. So ist es auch nicht gemeint. Es ist eine Einladung, um die Gedanken wieder fliegen zu lassen und in diesem Augenblick innezuhalten, tief durchzuatmen und im Anschluss mit einem Lächeln durch den so grauen deutschen Winter zu gehen.
Über den Autor:
“Justus Mörstedt widmete sich bis zu seinem 14. Lebensjahr in seiner Freizeit dem Triathlon, bevor er sich endgültig auf sein Lieblingselement, das Wasser, fokussierte und Finswimmer wurde. Seit 2019 ist er Sportsoldat und studiert und trainiert im Leistungszentrum Leipzig.
Doch lassen wir ihn selbst zu Wort kommen: „Hier lebe ich meinen Traum: Leistungssport und Medizinstudium. Mich fasziniert es, das neu Erlernte im Sportleralltag in die Praxis umzusetzen und somit den oft trockenen Inhalten ein wenig Leben einzuhauchen.“
Diese Kombination macht sich bezahlt: im Juli 2024 wurde er zweifach Weltmeister. Über 200m Streckentauchen hält er den Europarekord. Falls Sie neugierig geworden sind, was Finswimming ist, sehen Sie sich in den News um, oder werfen eine beliebige Suchmaschine an!
Forever young wurde ihm mit seinem Einstieg in den Profisport sozusagen „in die Wiege gelegt“. Sein Trainer sagte immer: „Wer hier mitmachen will, muss mindestens ein Strunz-Buch gelesen haben.“ Zu Wettkämpfen verteilte er den Sportlern immer Vitamineral 32. Mit den Jahren in Leipzig hat sich in seinem 23 Jahre jungem Kopf so einiges zusammengesammelt, was er gerne mit Sportlerkollegen unter anderem hier in den News teilt. Dabei unterstützen wir als forever young ihn als Sponsor."