Wer nicht suchet, der nicht findet. So ist das auch in der Medizin.

Suchen, nach den wirklichen Ursachen, ist allerdings zeit- und kostenaufwändig.

Und es erfordert oft auch ein kompetentes Labor. Ein Labor, das auch rechts- und links der ausgetrampelten Pfade der Diagnostik (großes Blutbild, klinische Chemie, etc.) nach dem schaut, was Gesundheit ausmacht: Die Bau- Hilfs, und Betriebsstoffe des menschlichen Körpers.

Für mich sind Laboruntersuchungen oft wahre Augenöffner.

Ein Beispiel aus meiner Praxis: Eine sportliche Frau, Anfang 40, kommt zu mir wegen einer neu diagnostizierten Osteopenie, also der Vorstufe von Osteoporose. Natürlich messe ich:


  • Vitamin D-Status
  • Zink
  • Magnesium
  • Aminosäuren
  • Mangan
  • Calcium

Alles gut bis optimal. Die Patientin tut schon länger etwas für ihre Gesundheit.

Aber dann der Wert für Bor:


  • Bor – nicht nachweisbar

Kennen Sie Bor? Mit Bor beschäftige ich mich schon seit 2018 (siehe News von Dr. Strunz vom 30.4.2018).

Die Forscher wissen nicht so recht, wie sie Bor beim Menschen einordnen sollen – essenziell oder eben nicht. Für Pflanzen ist Bor in jedem Fall essenziell.

Sie benötigten Bor, um ihre Zellwände zu stabilisieren, um ihre Blüten auszubilden und für ihre regelrechte Zellteilung. Besonders gute Lieferanten sind Pflaumen, Pfirsiche, Avocado und Brokkoli.

Wer eine wirklich stark pflanzenbasierte Kost konsumiert, kann seinen Bor-Bedarf über die Nahrung decken. So die Theorie. Allerdings messe ich auch bei Veganern manchmal erheblichen Bormangel.

Schon lange ist bekannt, dass Bor einen großen Einfluss auf den Knochenstoffwechsel hat. Bor fördert den Knochenerhalt, -aufbau und auch die Knochenstärkung. Es verhindert den Abbau von Vitamin D und erhöht dessen Verfügbarkeit im Körper, was für die Knochengesundheit essenziell ist. Studien zeigen, dass die Anwesenheit von Bor die Kalziumausscheidung um 40 Prozent und die Magnesiumausscheidung um ein Drittel reduzieren kann. Dies ist insbesondere nach der Menopause von Vorteil, wenn der knochenschützende Effekt des Östrogens wegfällt.

Neben der Regulation der Mineralienausscheidung führt Bor auch zu einem weiteren wichtigen Effekt, der ebenfalls den Knochen zugutekommt. Auch hier läuft die Wirkung über Steroidhormone, wie beim Vitamin D. Bor erhöht die Bildung und den Spiegel von Sexualhormonen wie Östrogen, Testosteron und Progesteron, indem es – genau wie beim chemischen Verwandten Vitamin D - den vorzeitigen Abbau hemmt.

In einer Studie an Männern wurde nach nur einer Woche täglicher Supplementierung mit 6 mg Bor ein signifikanter Anstieg des freien Testosterons von durchschnittlich 11,83 pg/ml auf 15,18 pg/ml beobachtet.

Von daher ist es nur logisch, dass ein chronischer Bormangel (im Fall meiner Patientin bedingt durch Ernährungsfehler) einen wesentlichen Faktor für einen Verlust der Knochendichte darstellt.

Eine zusätzliche Einnahme von 6 bis 12 mg pro Tag gleicht einen Bormangel schnell und zuverlässig aus.


Quellen:

Rababah T, Aludatt M, Gammoh S, Salameh FB, Magableh G, Almajwal A, Yücel S, Al-Rayyan Y, Al-Rayyan N. A pilot study investigating the influence of dietary boron levels on osteoporosis in postmenopausal women. Food Sci Nutr. 2024 May 19;12(8):5708-5721. doi: 10.1002/fsn3.4218. PMID: 39139931; PMCID: PMC11317700.

Khaliq H. Exploring the role of boron-containing compounds in biological systems: Potential applications and key challenges. J Trace Elem Med Biol. 2025 Jan 10;87:127594. doi: 10.1016/j.jtemb.2025.127594. Epub ahead of print. PMID: 39826267.

Naghii MR, Mofid M, Asgari AR, Hedayati M, Daneshpour MS. Comparative effects of daily and weekly boron supplementation on plasma steroid hormones and proinflammatory cytokines. J Trace Elem Med Biol. 2011 Jan;25(1):54-8. doi: 10.1016/j.jtemb.2010.10.001. Epub 2010 Dec 3. PMID: 21129941.


Über die Autorin:


"Kyra Kauffmann, Jahrgang 1971, Mutter zweier kleiner Söhne, Volkswirtin, seit 20 Jahren niedergelassene Heilpraktikerin, Buchautorin, Dozentin, Journalistin und seit 3 Jahren begeisterte Medizinstudentin.

Zur Medizin kam ich durch meine eigene schwere Erkrankung mit Anfang 30, bei der mir seinerzeit kein Arzt wirklich helfen konnte. („Ihre Werte sind alle super – es ist alles rein psychisch!“). Hilfe bekam ich von Heilpraktikern, die zunächst einmal eine wirklich gründliche Labordiagnostik durchgeführt haben, ganz nach dem Vorbild von Dr. Ulrich Strunz. Es war eine neue Welt, die sich mir eröffnete und die Erkenntnisse, haben mich sofort fasziniert (ohnehin bin ich ein Zahlen-Daten-Fakten-Fan und habe nicht umsonst das Studium der VWL gewählt). Die Begeisterung war so groß, dass ich meinen alten Beruf an den Nagel hängte und Heilpraktikerin wurde. Meine Praxis führe ich seit 20 Jahren mit großer Begeisterung und bin – natürlich - auf Labordiagnostik spezialisiert und kann so oft vielen Symptomen auf den Grund gehen. In 2 Jahren hoffentlich dann auch als Ärztin.